Ehrenamtliches Engagement für unsere Lurche

NABU, BUND und Naturwacht Saarland sorgen gemeinsam für sicheres Geleit für Kröten, Frösche und Molche im Taubental bei Limbach

Wanderer im Kirkeler Wald sind etwas ganz Normales und sie kommen aus aller Herren Länder, um die schöne Natur um Kirkel herum zu erkunden und kennen zu lernen.

Zurzeit findet im Kirkeler Taubental eine ganz besondere Wanderung statt, nämlich die Amphibienwanderung.

Alljährlich Ende Februar kommen Tausende Kröten, Frösche und Molche aus dem Wald um den Röderberg und bewegen sich in Richtung Marksweiher, um dort zu laichen.

Sie orientieren sich dabei optisch und mittels ihres magnetischen Sinns sowie anhand von Gerüchen und Feuchtigkeitsunterschieden. So finden so jedes Jahr ihre angestammten Laichgewässer wieder.

Erdkröte

Erdkröte

Krötenzaun

Krötenzaun

Die Amphibien müssen bei ihrer Wanderung einen asphaltierter Waldweg, das sogenannte Taubental-Sträßchen, queren. Dabei werden viele Tiere leider von den Autofahrern übersehen und tot gefahren.

 

Um das zu verhindern, haben sich die NABU-Ortsgruppen Kirkel-Altstadt, Blieskastel, Homburg, der BUND und der zuständige Ranger der Naturwacht Saarland, Henning Schwartz, zusammen geschlossen, um den Amphibien sicher über die Straße zu helfen. Letztes Jahr konnten über 6.690 Kröten, Molche und Frösche eingesammelt und unverletzt zu ihrem Laichgewässer gebracht werdenAuch wenn es gut gemeint ist, werden Spaziergänger gebeten, die Tiere nicht aus den Eimern zu entnehmen. Dadurch würde das Ergebnis der Bestandserfassung verfälscht. Die Amphibien-Helfer nehmen die Tiere heraus, bestimmen die Arten, zählen die Tiere und tragen Sie auf die andere Straßenseite. Darüber wird genau Buch geführt. Die jährlichen Auswertungen geben so Auskunft über die Artenzahlen, die Wanderungsaktivitäten und die Zu- oder Abnahmen der Amphibien-Populationen.

 

Grasfrosch

Grasfrosch

Die ehrenamtliche Zusammenarbeit verschiedener Ortsgruppen ohne „territoriales Denken“ über die Gemarkungsgrenzen hinweg ist vorbildlich und besonders hervorzuheben. Hier stellt man sich in den Dienst der Sache. Der Marksweiher ist im Eigentum der Naturlandstiftung Saar, die das Kleingewässer wegen seiner hohen Bedeutung für die Pflanzen- und Tierwelt schon 1988 erworben hat.

 

Die Stiftung hat das Gewässer, das zu verlanden drohte, schon zwei Mal auf Teilflächen ausgebaggert, damit sich genügend Wasser in der Fläche sammeln und lange genug halten kann, und die Amphibien ihre Entwicklung vom Ei über die Kaulquappen bis zum Jungtier dort abschließen können. Der Marksweiher wird nur von Regenwasser gespeist und füllt sich jedes Jahr im Winter neu mit Wasser.

Bergmolch, Foto: Bernd Konrad

Bergmolch, Foto: Bernd Konrad

Eimer mit Erdkröten

Eimer mit Erdkröten

Die Naturlandstiftung Saar ist den NABU-Ortsgruppen und dem BUND ganz besonders dankbar für ihr ehrenamtliches, zeitaufwändiges Engagement. Die Stiftung selbst könnte diese Arbeiten wegen des hohen Zeit- und Personalaufwandes nicht leisten. Die Naturlandstiftung ist eine private Stiftung, die sich gemäß Satzung zum Ziel gesetzt hat, den Artenreichtum der Pflanzen und Tiere unserer Heimat zu erhalten und die Vielfalt ihrer Lebensräume zu schützen, zu pflegen und zu entwickeln. Dazu erwirbt die Stiftung ökologisch wertvolle Flächen und knüpft im ganzen Saarland ein Netz von mittlerweile 114 Schutzgebieten. Die Stiftung wurde 1976 gegründet und ist somit die älteste Naturschutzstiftung in ganz Deutschland. Sie ist auch Träger der Naturwacht Saarland.

Hintergrundinfos

Krötenzaun

Vor Beginn der Laichsaison wird parallel zum Taubental-Sträßchen auf eine Strecke von rund 300 Metern ein sogenannter Krötenzaun aufgebaut, eine für die Amphibien unüberwindbare, etwa 50 cm hohe Barriere. Vor dem Zaun werden in Richtung der ankommenden Tiere etwa alle 5 bis 8 Meter Eimer ebenerdig in den Boden vergraben und mit Laub gefüllt. Die Kröten, Frösche und Molche kommen aus dem Wald, erreichen den Zaun, den sie nicht überwinden können, laufen am Zaun entlang und fallen in die Eimer. Von etwa Mitte Februar bis etwa Anfang April werden die Eimer täglich kontrolliert. Die Amphibien-Helfer nehmen die Tiere heraus, bestimmen die Arten, zählen die Tiere und tragen Sie auf die andere Straßenseite. Darüber wird genau Buch geführt. Die jährlichen Auswertungen geben so Auskunft über die Artenzahlen, die Wanderungsaktivitäten und die Zu- oder Abnahmen der Amphibien-Populationen. Nach Ende der Wandersaison wird der mobile Zaun wieder abgebaut.

 

In den letzten Jahren hat sich die Zahl der geretteten Amphibien verdoppelt. Im Jahr 2020 konnten über 6.690 Kröten, Molche und Frösche eingesammelt und unverletzt zu ihrem Laichgewässer gebracht werden.

Ansprechpartner: Ranger Henning Schwartz,

0172 / 6407723

Marksweiher

Das Gewässer ist nicht nur für Lurche ein unverzichtbarer Lebensraum. Insbesondere die Libellenfauna ist herausragend. Der Marksweiher gehört zu den zehn besten Libellengewässern im Saarland. Mit knapp 40 Arten wurden hier schon rund zwei Drittel der im Saarland lebenden Libellen beobachtet. Darunter sind seltene Arten wie z.B. die Südliche Mosaik-Jungfer oder die Winterlibelle. Zu den selteneren Wasserpflanzen, die hier wachsen, zählen z.B. das Gemeine Hornblatt oder der Verkannte Wasserschlauch. Wenn der Marksweiher ganzjährig Wasser führt, brütet auch regelmäßig der Zwergtaucher im Gebiet. Auf den Schlammflächen und den umgebenden Wiesen hat sich eine artenreiche Heuschrecken-Lebensgemeinschaft etabliert. Hier kommen sowohl die wenige Millimeter großen Dornschrecken und die mehrere Zentimeter große Sumpfschrecke vor. Um den Marksweiher wachsen immer mehr Bäume, die vor allem im Sommerhalbjahr während der trockenen Jahreszeit dem Gewässer über ihre Wurzeln sehr große Mengen Wasser entziehen. Dadurch passiert es immer öfter, dass das Gewässer bei Regenmangel austrocknet. Deshalb ist daran gedacht, im Winterhalbjahr ein Teil der Bäume zu fällen.