Der Wolferskopf – das etwas andere Schutzgebiet im Haustadter Tal

In einer bunten Blumenwiese auf dem Rücken liegend, den Blick zum blauen Himmel gewandt, von Bienen und Käfern umsummt, ein Lied auf den Lippen – so kennt man ihn, den romantischen „Taugenichts“ seines Schöpfers Joseph von Eichendorff. Er lässt es sich in der seinerzeit noch intakten Natur gut gehen, freut sich an der vielfältigen Fauna und Flora, denkt an schöne Dinge.

Heutzutage hätte der „Taugenichts“ es deutlich schwerer, sich in einer derart unberührten und vielfältigen Natur wohl zu fühlen. Denn im Laufe von Jahrhunderten ordnete sich der Mensch die Natur unter, ökonomisierte sie nachhaltig und dezimierte ihre Vielfalt drastisch. Aber an einigen Stellen blieb das bunte Spektrum einer reichhaltigen Natur noch erhalten, wenn auch mit einer gewissen Nachhilfe durch den Menschen. 

So zum Beispiel im Naturschutzgebiet „Wolferskopf“. Dort, im „Haustadter Tal“ nahe der Gemeinde Beckingen im Nordwesten des Saarlandes, gibt es noch die bunte Blumenwiese unseres romantischen Helden, dort summen Bienen und Käfer, dort flattern zahlreiche Schmetterlingsarten durch die Sommerluft, dort ist die Natur wieder in Ordnung.

Der „Wolferskopf“ gehört mit seiner Fläche von über 400 Hektar zu den größten zusammenhängenden Schutzgebieten des Saarlandes Die alte Kulturlandschaft mit buntblumigen Wiesen, Hecken, Äckern und Streuobstbeständen wurde in den letzten Jahrhunderten vom Menschen geschaffen, als er den natürlichen Waldbestand rodete, um Ackerbau und Viehzucht zu betreiben. Durch die damalige extensive Beweidung der Muschelkalk Flächen entstanden die heute so artenreichen Kalk-Halbtrockenrasen und bunten Salbei-Glatthaferwiesen. Um diese einzigartige Kulturlandschaft mit den Magerrasen auch für künftige Generationen zu erhalten, schritten Naturschützer ein.


Wolferskopf, Zentralbereich


A.pyramidalis


Gelbbauchunke


Vogesenrinder

Auf den mageren Standorten ist eine reichhaltige und einzigartige Pflanzen- und Tierwelt entstanden, die sich auch überregional in Naturschutzkreisen einen Namen gemacht hat.  Am Wolferskopf sind zahlreiche seltene und in ihrem Bestand bedrohte Pflanzen- und Tierarten zu finden, die aus dem Süden und Westen Europas einwanderten. Dazu zählen besonders ausgedehnte Orchideenbestände mit über zwölf verschiedenen Arten. Einem kleinen Quellsumpf kommt durch das Auftreten des „Übersehenen Knabenkrautes“, der stark gefährdeten „Orchidee des Jahres 2008“,  nationale Bedeutung zu.

Über 60 verschiedene Vogelarten, darunter auch Neuntöter, Raubwürger, Wendehals und Hohltaube, können im Naturschutzgebiet Wolferskopf beobachtet werden. Hecken- und Buschbrüter sind besonders stark vertreten, ebenso die Schmetterlingsfauna mit über 50 verschiedenen Tagfalterarten. Vor allem die landes- und bundesweit besonders bedrohte Tagfaltergesellschaft der Wärme und Trockenheit liebenden Arten ist hier anzutreffen

Das Naturschutzgebiet Wolferskopf wurde 1989 als erstes saarländisches Projekt in das „Bundesprogramm zur Errichtung und Sicherung schutzwürdiger Teile von Natur und Landschaft mit gesamtstaatlicher Bedeutung“ aufgenommen. Nahezu 1000 alte Obstbäume wurden wieder gepflegt, weitere 450 neu gepflanzt, ehemalige Kalksteinbrüche wieder frei gestellt. Zwei Biolandbetriebe mit extensiver Nutzung konnten ebenso wie einige Obstbauern zum Mitmachen bewegt werden. Einer der beiden Biolandbetriebe pflegt mit einer Herde uriger Vogesenrinder, die vom „Zweckverband Wolferskopf“ angeschafft wurde, ehemalige Brachflächen.

Dies alles wird vom „Zweckverband Wolferskopf“ betreut. Ihm gehören der Landkreis Merzig-Wadern, die Stadt Merzig, die Gemeinde Beckingen sowie die Naturlandstiftung Saar an. Auf dem Fischerberg im Naturschutzgebiet Wolferskopf hat die Naturwacht Saarland ein Büro eingerichtet. Dort hält der für das Gebiet zuständige Ranger Frank Grütz naturpädagogische Angebote (Führungen, Gebietsbegehungen) für große und kleine Naturfreunde bereit.