Der „URWALD vor den Toren der Stadt“

Urwald findet man in Brasilien. Und in Afrika, auch in Asien. So haben es Generationen von Schülern im Unterricht gelernt. Aber in der Nähe von Saarbrücken? Das glaubt kaum jemand. Dennoch ist es so. Am Rande der saarländischen Landeshauptstadt hat der „Dschungel“ Besitz von der Natur ergriffen. Natürlich ohne Gorilla, Leopard oder Elefant, aber mit einer immer stärker verwildernden Pflanzenwelt. Und dahinter steckt System.

Im Jahre 2002 wurde das Waldschutzgebiet Steinbachtal/Netzbachtal am Rande Saarbrückens mit einer Größe von 1.004 Hektar als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Und es hatte schnell seinen Namen weg: „Urwald vor den Toren der Stadt“. Dieses Gebiet ist in den rund 4.500 Hektar großen Saarkohlenwald eingebettet.

Hier im „Urwald“ wird auf eine wirtschaftliche Nutzung des Rohstoffes Holz gänzlich verzichtet, die Motorsägen schweigen seither. Dadurch kann sich dort die Natur entfalten, wie sie möchte. Ganz langsam verändert sich der Wald. Umgefallene Bäume, ausgewaschene Wege, Baummoose und Farne, farbenprächtige Pilze und bizarre Flechten überwuchern unaufhaltsam die Zeichen der Zivilisation. Verloren geglaubte Arten ursprünglicher Wälder und Auen tauchen wieder auf, alte Bäume dürfen in Würde sterben, die Wildnis kehrt zurück.

Der „Urwald vor den Toren der Stadt“ ist das bundesweit größte Wildnisgebiet in einer städtisch geprägten Landschaft. Die Menschen im dicht besiedelten Raum Saarbrückens können an der natürlichen Entwicklung des Waldes teilhaben und wieder „Natur pur“ kennen lernen. Für Erholung und Naturerfahrung bietet der Urwald das ideale Umfeld. Großstadtmenschen erleben direkt die kleinen und großen Wunder der Natur, neugieriges Entdecken von Zusammenhängen weckt positive Lebensgefühle. Und man lernt wieder zu verstehen, dass man selbst ein Teil der Natur ist und man daher pfleglich mit ihr umgehen muss. Der „Urwald vor den Toren der Stadt“ ist ein Lernort für das Leben.


Tal der Stille


Wegerichfalter


Scheune Neuhaus


"Traumfänger"

Und Lernen fängt bei den Kleinen an. „Urwald macht Schule“ heißt ein wildnis-pädagogisches Konzept, das Kinder bei der Entwicklung ihrer Persönlichkeit fördert. Dementsprechend wird nicht nur Biologie-Wissen, sondern auch soziale Fitness und Gespür für Werte vermittelt. Auch für Erwachsene steht ein umfangreiches Angebot mit zahlreichen weiteren Veranstaltungen bereit. Bei Exkursionen, Vorträgen, Kursen und Workshops können interessierte Zeitgenossen, Jugendgruppen, Lehrer und Schüler den Urwald aktiv miterleben. Die „Scheune Neuhaus“, ein ökopädagogisches Zentrum für Waldkultur, bildet den Mittelpunkt des „Lernortes Urwald“.

Das Projekt wird gemeinsam getragen von dem saarländischen Ministerium für Umwelt, Energie und Verkehr, dem NABU Saar und dem SaarForst Landesbetrieb. Auf Grund seiner bundesweiten Einmaligkeit wurde das Projekt 2005 und 2006 von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert. Die Naturwacht Saarland mit dem zuständigen Ranger Karl Hermann unterhält im „Forsthaus Wolfsgarten“ im Urwald ein Büro. Er ist Ansprechpartner für die interessierte Bevölkerung, vermittelt Wissen und ist ein fachlich fundierter Partner bei der Erkundung des „Urwaldes“.

Weitere Informationen www.saar-urwald.de.